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Experten kritisieren politisch-juristisches Hickhack um THC
Wien/Dortmund - Einem Dortmunder Forscherteam ist
es erstmals gelungen, Tetrahydrocannabinol (THC) - einen der Wirkstoff der
Cannabis-Pflanze - mit Biosynthese künstlich und kostengünstig herzustellen. THC
ist ein hervorragendes Arzneimittel und wird beispielsweise in der Behandlung
von Multipler Sklerose oder bei chronischen Schmerzen verwendet. Das Problem ist
jedoch, dass der Anbau von Cannabis in Deutschland und in Österreich durch
Gesetze nahezu vollständig eingeschränkt ist.
"Solche Lösungen sind zwar gut, weichen aber vom eigentlichen Problem ab",
meint der Mediziner Kurt Blaas, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als
Medizin"
http://www.cannabismedizin.at. Hanf werde von allen
Seiten negativ stigmatisiert, erklärt der Arzt. "Selbst Hanfbauern, die Hanföl,
Hanfbier oder Hanfmehl herstellen, sind davon betroffen. Und das obwohl die EU
den Hanfanbau finanziell fördert.
Billiges Cannabis für Patienten
"Eine rein chemisch-synthetische Herstellung von THC ist teuer", meint Oliver
Kayser vom Lehrstuhl Technische Biochemie an der TU-Dortmund
http://www.tu-dortmund.de. Daher habe er an einer heterologen Biosynthese
gearbeitet, die deutlich günstiger sei. Der Biochemiker und sein Team
identifizierten hierfür die Gene, die in der Cannabispflanze für die THC-Bildung
zuständig sind und isolierten diese. Anschließend verpflanzten sie diese in
Mikroorganismen, die entsprechend vermehrt werden können, um dann im Bioreaktor
THC zu produzieren. Das Ergebnis ist reines THC als stark isolierter Stoff.
Eine andere sehr kostengünstige Methode der Herstellung von THC ist dem Chemiker
Peter Rausch, Inhaber von Nektar-Naturkosmetik
http://www.nektar.at,
gelungen. "Es war mir möglich eine Methode zu entwickeln, mit der aus Abfällen
des Industriehanfes - wie sie bei der landwirtschaftlichen
Hanf-Samenöl-Erzeugung anfallen- THC zu gewinnen", so Rausch. Industriehanf-Abfälle enthalten CBD - eine biologische Vorstufe für
die THC-Herstellung. "Pro Hektar liegt die Ausbeute bei einem bis zwei Kilogramm
reinem THC", so Rausch. "Das wäre eine zusätzliche Einnahmequelle für die
Landwirtschaft."
THC wasserlöslich machen
"Ein großes Problem von THC ist, dass es zwar fett-, aber nicht wasserlöslich
ist", erklärt Rausch. Für die Nutzung als Arzneimittel bedeutet dies, dass etwa
vier Fünftel der Substanz nicht aufgenommen, sondern ohne Wirkung ausgeschieden
werden. Rausch ist es mit einer speziellen Methode gelungen, THC vollständig
wasserlöslich zu machen. Damit kann man die Dosis und die Kosten für
medizinische Anwendungen deutlich senken und zudem das THC intravenös
verabreichen. Das ist insbesondere bei Aids-Patienten und Menschen, die sich
einer Chemotherapie unterziehen müssen, sinnvoll. "Dort wird THC verabreicht, um
den Appetit zu steigern und damit das Immunsystem zu stärken."
"THC wird seit kurzem auch in der Geriatrie angewendet", erklärt Rausch.
Einerseits hebt es den Appetit, andererseits wirkt es entspannend und führt zu
einem erholsameren Schlaf ohne Einsatz bedenklicher Schlafmittel. Untersuchungen
an Kriegsveteranen in Israel und Kroatien haben gezeigt, dass THC zur
Aufarbeitung von traumatischen Kriegserlebnissen sehr erfolgreich eingesetzt
werden kann." In den meisten Fällen liegt die Tagesdosis bei rund fünf
Milligramm. Bei dieser Dosierung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. (pressetext.austria)
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